La Liga

Bellingham-Experiment gescheitert: Hat Real ein Offensiv-Problem?

Das 1:3 gegen Atlético Madrid war die erste Niederlage in der bis dato ergebnistechnisch optimalen Saison für Real – und dennoch offenbarte sie einige tiefliegende Schwachstellen im Kader der Blancos.

von Jakob Strauß
2 min.
Jude Bellingham @Maxppp

15 Punkte aus fünf Spielen – mit optimaler Punktausbeute ging Real Madrid ins Derby madrileño am gestrigen Sonntagabend beim Stadtrivalen Atlético. Mit sieben Punkten aus vier Spielen waren die Rojiblancos im Gegensatz zum Rivalen mäßig in die neue La Liga-Saison gestartet. Letztlich ging Atlético allerdings als verdienter, ungefährdeter Sieger vom Platz.

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Das lag zum einen an Reals erstaunlich schwacher Defensivleistung: Insbesondere in den ersten 20 Minuten verteidigte Real miserabel, ließ die Torschützen Álvaro Morata (30) und Antoine Griezmann (32) bei ihren Kopfballtreffern vollkommen ungedeckt. Doch nicht allein die Verteidigung sorgt aktuell für Stirnrunzeln in der spanischen Hauptstadt.

Wo ist die Nummer neun?

Allein mit Blick auf die Aufstellung ergeben sich Fragezeichen. Mit dem gelernten Flügelspieler Rodrygo und dem zuletzt auf der Zehn brillierenden Jude Bellingham begannen zwei positionsfremde Stürmer in Reals 4-1-2-1-2-Formation. Durchaus verwunderlich, dass Carlo Ancelotti den einzig gelernten Neuner Joselu (33) auf die Bank beorderte – und das, obwohl der spanische Neuzugang zuvor in zwei Liga-Partien in Folge getroffen hatte – und Bellingham von seiner neuen Parade-Position zog.

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Im Offensivspiel fehlte somit der Zielspieler, die Präsenz im gegnerischen Strafraum. So verpufften zahlreiche Passstafetten, die fast zwei Drittel Ballbesitz erwiesen sich als kaum produktiv.

Fragwürdige Transferentscheidungen

Ohnehin waren viele Experten verwundert, dass Real nach dem Abgang des amtierenden Ballon D’Or-Gewinners Karim Benzema (35/Al Ittihad) im vergangenen Transferfenster keinen adäquaten Ersatz verpflichtete. Die Abkehr vom jahrelang erfolgreich praktizierten 4-3-3-System lag zum einen in der Tatsache begründet, dass kein Top-Neuner zur Verfügung steht, zum anderen aber auch daran, dass mit Eduardo Camavinga (20), Luka Modric (38), Toni Kroos (33), Aurélien Tchouaméni (23), Federico Valverde (25) und eben Bellingham gleich sechs zentrale Mittelfeldspieler von Top-Niveau im Kader stehen.

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Ancelottis Motto lautet: Die Besten sollen spielen, die Formation wird dem vorhandenen Spielermaterial untergeordnet beziehungsweise an ebenjenes angepasst. Problematisch ist, dass es dem Kader an Balance mangelt. Während Mittelfeld und Abwehr größtenteils hervorragend besetzt sind, mangelt es der Offensive an Qualität und Quantität.

Bellingham kaschiert, aber wie lange noch?

Bisher wurde dies durch die unfassbare Torquote von Bellingham (fünf Treffer) kaschiert. Dass der Engländer aber weiter durchgehend so zuverlässig knipst, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich ist der ehemalige Dortmunder ungeachtet seiner neuen, offensiveren Rolle auf der Zehn eher ein Spielgestalter denn ein echter Torjäger.

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Mit Atlético ist Real in dieser Saison dem ersten Hochkaräter begegnet – die Colchoneros haben schonungslos gleich mehrere Schwachstellen der Königlichen offengelegt. Es bleibt abzuwarten, wie sich Real in den kommenden Partien gegen andere Topklubs präsentieren wird. Hoffnung macht die baldige Rückkehr des zuletzt verletzten Superstars Vinicius Junior. Aber auch der Brasilianer wird trotz seiner Klasse nicht die klaffende Lücke schließen, die Benzemas Abgang gerissen hat.

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