Es war ein bizarres Topspiel am Samstagabend: Bayer Leverkusen dominierte den FC Bayern in allen Belangen, doch ein Tor wollte nicht fallen. Bei der Werkself hat eigentlich alles gestimmt – nur ein Tor blieb aus. Der Titelkampf scheint so gut wie gelaufen.

Xabi Alonso überraschte mit seiner Aufstellung wieder einmal. Der Spanier setzte gegen den FC Bayern nicht etwa auf die zuletzt erfolgreiche klare Fünferkette, sondern auf ein variables 4-2-3-1, bei dem im Defensivverhalten Alejandro Grimaldo und Jeremy Frimpong weit zurückeilten und so Teil einer Sechserkette wurden. Insgesamt veränderte Alonso gegenüber dem 0:0 gegen den VfL Wolfsburg seine Elf auf fünf Positionen.
Etwas weniger überraschend lief der FC Bayern im gewohnten 4-2-3-1 auf, Hiroki Ito gab sein Startelfdebüt, auch Min-Jae Kim, Aleksandar Pavlovic und Kingsley Coman rückten gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Celtic Glasgow unter der Woche in die Mannschaft.
Die Werkself begann ohne klassischen Stoßstürmer, dafür aber äußert flexibel und extrem hoch stehend gegen passive Münchner. Der FCB hatte vor der Partie acht Punkte Vorsprung und war nicht unter Zugzwang, zeigte sich dennoch sehr beeindruckt von der offensiven Wucht der Gastgeber.
Gleich zweimal hatte der deutsche Rekordmeister im ersten Abschnitt Glück, als erst Frimpong (21.) und anschließend Nathan Tella (25.) die Latte trafen. Zudem war Manuel Neuer in Alarmbereitschaft, als Florian Wirtz es frech von der Mittellinie versuchte, die Kugel aber knapp am Kasten vorbeiging (33.). Die Bilanz nach 45 Minuten: 7:0 Torschüsse für die Werkself, auf der Anzeigentafel stand aber auf beiden Seiten die Null.
Hinein in den zweiten Abschnitt, am Spielgeschehen änderte sich wenig. Die Werkself schaffte es sogar, die Schlagzahl noch einmal zu erhöhen. Doch Tella verpasste erst per Seitfallzieher (59.), dann mit seinem Kopfball (66.), den Ito auf der Linie klärte, den Treffer. Kompany musste reagieren und wechselte in der 68. Spielminute gleich vierfach (!).
Die Schlinge zog sich dennoch immer weiter zu, doch am Ende sollte es nicht sein. Weil Joker Amine Adli erst an Neuer scheiterte und Wirtz anschließend freistehend das Tor nicht traf (92.). Somit kam der FC Bayern mit einem dicken blauen Auge mehr als glücklich davon und holte tatsächlich einen Punkt in Leverkusen.

Weiterhin acht Punkte Vorsprung im Titelrennen.
🔴⚪ 90'+4 | #B04FCB | 0-0

Klarer Punktsieger bei Wusiala
Schon nach drei Minuten dürfte Jamal Musiala klar gewesen sein, dass er im Topspiel keinen Spaß haben wird. Erst holte ihn Granit Xhaka von den Füßen, dann Jonathan Tah. Tah war es auch, der den 21-Jährigen, der unter der Woche seinen Vertrag an der Säbener Straße bis 2030 verlängert hat, teilweise bis zum Münchner Strafraum durchverteidigte und ihm keine Luft zum Atmen ließ. So konnte Musiala kaum Akzente setzen.
Wirtz hingegen war Dreh- und Angelpunkt bei den Hausherren, leitete viele gefährliche Aktionen ein und verschaffte sich mit intelligenten Läufen immer wieder gute Räume. Die Bayern schafften es nur selten, den 21-Jährigen, dem auch nicht alles gelang, zu stoppen. Großer Makel: Letztlich sprang kein Tor heraus – in der Nachspielzeit hatte er die größte Chance des Spiels auf dem Fuß, doch im versagten die Nerven.
Historische Werkself
Keiner anderen Mannschaft ist in der Geschichte der Bundesliga das gelungen, was die Werkself in der BayArena am Samstagabend geschafft hat: In den ersten 45 Minuten schoss der deutsche Rekordmeister zum ersten Mal überhaupt kein einziges Mal auf das Tor des Gegners. Nach 90 Minuten zählten die Statistiker zwei Schüsse – ebenfalls ein Novum. Grund dafür war der Masterplan von Alonso, der sein Team auf dem Papier recht defensiv aufstellte, sie letztlich aber aggressiv pressen ließ und die Münchner somit kaum mal aus der eigenen Hälfte kamen. Spätestens 30 Meter vor dem Tor von Lukas Hradecky war immer Schluss.
Alonso hat den Bayern-Code geknackt, im sechsten Spiel als Trainer von Leverkusen blieb er zum sechsten Mal ungeschlagen. Der 43-Jährige lässt sich immer wieder einen neuen taktischen Kniff einfallen, der den FCB zur Verzweiflung bringt. Einmal mehr stellte er unter Beweis, von welcher Bedeutung ein Verbleib des Spaniers für den amtierenden Meister wäre.
Am Ende im Titelrennen doch verzockt?
Bei allem Lob für Alonso: Am Ende hat seine Mannschaft das Mindeste eben doch nicht geschafft. Das wäre ein Sieg gewesen, um immerhin wieder ein bisschen an den FCB heranzukommen. In der Schlussphase entschied er sich für Amine Adli, Patrik Schick kam erst in der Nachspielzeit und Victor Boniface blieb komplett auf der Bank. Es war die zweite Nullnummer am Stück für Leverkusen. Schon gegen den VfL Wolfsburg hatte Alonso Kritik für seine große Rotation bekommen, die wichtige Punkte gekostet hat. Er hat sich gegen den FCB für das System ohne großgewachsenen Mittelstürmer entschieden. Fehlende Effizienz war der Knackpunkt. Effizienz ist das, wofür Schick und Boniface stehen. Diesen Vorwurf muss sich Alonso letztlich aufgrund des Ergebnisses gefallen lassen. Das Titelrennen scheint mit acht Punkten Rückstand nun so gut wie entschieden.
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