Der Ausfall von Florian Wirtz wiegt bei Bayer Leverkusen extrem schwer. Wie schwer, zeigen die gestrigen Aussagen von Xabi Alonso. Einen Gefallen tut der Baske damit aber weder seinem Musterschüler noch sich selbst.

„Ich habe mit Flo gesprochen. Er fühlt sich besser“, wartete Xabi Alonso am gestrigen Donnerstag auf der Pressekonferenz zunächst mit guten Nachrichten auf. Dass der Ausfall am Trainer nagt und ihm ein großer Dorn im Auge ist, machen die weiteren Ausführungen deutlich.
Alonso will ins Risiko
„Wir wollen nicht konservativ sein mit Flo. Wir wollen Vollgas gehen, ein bisschen Risiko nehmen“, kündigte Alonso an. Das Ziel ist klar: Wirtz soll so schnell wie möglich wieder zur Verfügung stehen: „Wenn er ein bisschen früher spielen kann, nehmen wir dieses Risiko. Wir können optimistisch sein, dass er früher als erwartet zurück ist.“
Natürlich muss man festhalten, dass diese Entscheidung nicht Alonso alleine treffen kann und wird. Zum einen gibt es Wirtz selbst, der grünes Licht geben muss. Und selbstverständlich wird auch das Ärzteteam ganz genau hinsehen, bevor der 21-Jährige nach seiner Bänderverletzung die Freigabe bekommt.
Problematisch sind die Aussagen dennoch, denn sie erhöhen den Druck auf den ehrgeizigen Hochtalentierten, der natürlich auf sein Comeback hinfiebert. Auch Wirtz setzt alles daran, so schnell wie möglich wieder auf dem Platz zu stehen.
Alonso sollte Wirtz eher bremsen
Jeder Sportler – sei es im Amateur- oder Profibereich – der mal eine länger Veletzungsperiode überstehen musste, kennt diese Situation. Wie sehr man die Rückkehr forcieren möchte, wieder auf dem Platz stehen will und vielleicht auch mal unvernünftig in den Schmerz hinein trainiert.
Genau in solchen Momenten sollten sich Vereine und vor allem der Trainer schützend vor den Spieler stellen. Alonso sollte Vernuft walten lassen und den Schützling im richtigen Moment auch bremsen.
Parallelen zu Guardiola
Der 43-Jährige macht aber genau das Gegenteil und weckt dabei Erinnerungen an Pep Guardiola zu seiner Zeit beim FC Bayern. Der heutige City-Trainer probte damals sogar öffentlich den Widerstand gegen Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, was schlussendlich sogar zum Bayern-Aus des legendären Mannschaftsarztes führte.
Klar, Alonsos Motive sind verständlich. Zwar sind die Bayern sechs Punkte enteilt, durch die jüngste Verletzungswelle in München sieht die Werkself aber wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont. Dennoch sollte sich der Double-Trainer hinterfragen, ob das der richtige Weg ist.
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